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Schnelle Hilfe in akuter psychischer Not

Braunschweig, 27. Mai 2019 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

Sozial- und Gesundheitsdezernentin Dr. Christine Arbogast (Mitte) mit Anke Scholz, Koordinatorin des Sozialpsychiatrischen Dienstes und Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Verbundes, und Thomas Meyer, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes am Gesundheitsamt. (© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet)
Sozial- und Gesundheitsdezernentin Dr. Christine Arbogast (Mitte) mit Anke Scholz, Koordinatorin des Sozialpsychiatrischen Dienstes und Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Verbundes, und Thomas Meyer, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes am Gesundheitsamt.
(© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet)

Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger, die an Wochenenden und Feiertagen aufgrund psychischer Krisen kurzfristige Hilfe oder Unterstützung benötigen, können sich ab Juni an den Psychosozialen Krisendienst des städtischen Gesundheitsamtes wenden. Er hat die Telefonnummer 0531/470-7777 und ist zu folgenden Zeiten erreichbar: freitags und samstags von 15 bis 22 Uhr; sonn- und feiertags von 15 bis 20 Uhr. Ziel ist es, die Versorgung schwer psychisch Kranker samt Deeskalation psychiatrischer Krisen an Wochenenden und Feiertagen zu verbessern, die Zahl der Zwangseinweisungen in die Psychiatrie weiter zu verringern und Suizidgefährdungen entgegenzuwirken. Der Rat hatte die Einrichtung des Psychosozialen Krisendienstes Ende vergangenen Jahres auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen.

Das Angebot startet am 1. Juni und ist kostenlos. „In Telefonaten oder im persönlichen Gespräch im Rahmen eines Hausbesuches wird geklärt, ob oder wie zeitnah weiterführende Unterstützungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden müssen oder ob es notwendig ist, dass der oder die Betroffene einen Arzt aufsucht“, erläutert Gesundheits- und Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast. Der psychosoziale Krisendienst ist mit Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie psychiatrisch erfahrenen Pflegekräften in Form einer Rufbereitschaft besetzt. Bei Bedarf können Klientinnen und Klienten in der psychiatrischen Notfallambulanz des Städtischen Klinikums vorgestellt werden.

„Nach Erfahrungen in anderen Kommunen können viele Fragestellungen und Probleme durch ein kurzfristiges Telefongespräch und/oder ein persönliches Gespräch bewältigt und somit eine Klinikeinweisung vermieden werden“, berichtet der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes am Gesundheitsamt, Thomas Meyer.

„Vorrangige Aufgabe des Psychosozialen Krisendienstes ist die Krisenintervention“, erläutert Anke Scholz, Koordinatorin des Sozialpsychiatrischen Dienstes und Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Verbundes. „Ziel ist es, Lösungen in zugespitzten Situationen zu finden. Verschiedene Krisensituationen können unterschieden werden: Psychiatrische Notfallsituationen (akute Krankheit), akute seelische Notlagen bei psychosozialen Belastungen und akute Versorgungsnotstände bei chronischer psychischer Krankheit.“

Dieser Aufgabe nachgeordnet sind Beratung und Vermittlung zu Angeboten ins bestehende Versorgungssystem, die der Krisendienst an Wochenenden und an Feiertagen wahrnehmen soll. So sollen psychisch erkrankte Menschen oder solche in psychosozialen Notlagen unterstützt werden, ggf. durch die Erschließung weiterer Hilfsangebote.

Der Wochenend- und Feiertagskrisendienst soll Unterstützungskontakte realisieren, wenn dies zur Stabilisierung von Klientinnen und Klienten erforderlich ist. Das kann der Fall sein, wenn Gefährdungen vorliegen oder zu vermuten sind, etwa bei Psychose-Erkrankten, die kein tragfähiges soziales Umfeld haben und nicht ausreichend behandelt sind. Auch wenn Kinder oder andere Angehörige oder Betroffene einer schwierigen Situation mit einem erkrankten Menschen ungeschützt ausgesetzt sind, mit der sie nicht zurechtkommen, können sie sich an den psychosozialen Krisendienst wenden. 

Kurzgefasst: Die Leistungen des Psychosozialen Krisendienstes

  • Fachlich qualifiziertes Notfallangebot in Zeiten, zu denen keine entsprechende Beratungsstelle erreichbar ist
  • Kurzfristige Hilfe und Unterstützung
  • Telefonische Beratung und Hausbesuche
  • Vermeidung unnötiger stationärer Aufnahmen
  • Präventiver Ansatz: Betroffene sollen eher ins Versorgungssystem gebracht werden
  • Auf Wunsch kann die Beratung anonym erfolgen

Zielgruppe

  • Menschen in gravierenden Notlagen (z. B. Ängste, Depressionen, existentielle soziale Probleme, extreme Traumatisierung etc.)
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen in akuten Krisen
  • Suizidgefährdete Menschen
  • Chronisch psychisch kranke Menschen
  • Menschen mit Suchtproblemen in Krisen
  • Pflegebedürftige und demente Menschen
  • Menschen mit geistiger Behinderung in Krisensituationen
  • Angehörige, Nachbarn, Freunde, Bekannte sowie andere Menschen, die sich in einer schwierigen Situation mit einem psychisch erkrankten Menschen befinden 

Koordiniert und fachlich begleitet wird der Psychosoziale Krisendienst vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes der Stadt Braunschweig. Die Stadt Braunschweig nimmt mit der Einrichtung des Dienstes Neuerungen und Ergänzungen des Niedersächsischen Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsychKG) sowie des Landespsychiatrieplans auf, wonach in Ergänzung zu den bestehenden Versorgungsstrukturen an den Wochenenden und Feiertagen ein psychosozialer Krisendienst angeboten werden soll.

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