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Grundlegende Sanierung der Stadthalle

Braunschweig, 17. November 2017 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

Die Stadthalle. (© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)

Die Stadthalle am Leonhardplatz soll baulich und insbesondere technisch von Grund auf saniert werden. Der Vorschlag, den die Verwaltung dazu heute den Ratsgremien unterbreitet hat, sieht vor, das Projekt einschließlich späterer Instandhaltung in einem langfristig ausgelegten Partnerschaftsmodell einem Auftragnehmer zu übertragen. Der Rat soll darüber in seiner Sitzung am 19. Dezember im Grundsatz entscheiden. Die Sanierung soll im Frühjahr 2020 beginnen. Bis dahin können in der Stadthalle uneingeschränkt alle Veranstaltungen von Konzerten bis Kongressen stattfinden.

Die Stadthalle soll saniert werden. (Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen / Weiterverbreitung nicht gestattet)
Die Stadthalle soll saniert werden.
(Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen / Weiterverbreitung nicht gestattet)

<p>Untersuchungen durch externe Ingenieurbüros ergaben, dass sowohl die technische Gebäudeausrüstung als auch die Fassade der 1965 fertiggestellten Stadthalle einer umfangreichen Erneuerung bedürfen.„Wir müssen jetzt handeln“, betont Oberbürgermeister Ulrich Markurth, „sonst werden wir die Stadthalle in einigen Jahren nicht mehr nutzen können. Das dürfen wir nicht riskieren. Denn die Stadthalle, als moderne Mehrzweckhalle gebaut, ist eine ganz wichtige Säule im kulturellen Leben unserer Stadt. Trotz ihres Alters ist sie mit ihrer besonderen Architektur ein Gebäude mit nach wie vor hoher Funktionalität. Und für viele Braunschweigerinnen und Braunschweiger ist die Stadthalle ein Ort, mit dem sich viele Emotionen und Erinnerungen verbinden, an hochklassige Konzerte, tolle Shows und ausgelassene Feste.“

Die Stadthalle soll saniert werden. (Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen / Weiterverbreitung nicht gestattet)
Die Stadthalle soll saniert werden.
(Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen / Weiterverbreitung nicht gestattet)

Von maßgeblicher Bedeutung für den Erfolg und die Beliebtheit der Stadthalle sei auch ihre Lage, fügt der Oberbürgermeister hinzu.

„Im Stadtgebiet gibt es keinen anderen Standort, der besser oder mindestens in gleichem Maße geeignet wäre. Moderne Veranstaltungs- und Kongress-Centren benötigen einen Standort mit sehr gutem ÖPNV-Anschluss, aber auch guter überregionaler Verkehrsanbindung, wie die Nähe zum ICE-Bahnhof und zur Autobahn. Diese Voraussetzungen sind am Standort Leonhardplatz nahezu ideal gegeben. Der geplante Bau eines Hotels durch einen privaten Investor und die damit verbundene Neuordnung der Parksituation werden den Standort wie das gesamte Quartier weiter aufwerten und die Stadthalle insbesondere für Kongresse noch attraktiver machen.“

Für die Sanierung wird eine Bauzeit von 18 Monaten veranschlagt – ein Abriss des bestehenden Gebäudes mit anschließendem Neubau auf demselben Grundstück würde einen wesentlich längeren Zeitraum beanspruchen. Schließlich sprechen auch die Kosten für eine Sanierung: Nach derzeitigem Planungsstand liegen sie bei rund 58,4 Millionen Euro. Für einen Neubau gleicher Größe wären schätzungsweise 69,5 Millionen Euro zu zahlen, also rund 11 Millionen Euro mehr. „In der Verwaltung sind die Kapazitäten für Planung und Durchführung von Hochbauprojekten in den nächsten Jahren gebunden“, erläutert Erster Stadtrat und Finanzdezernent Christian Geiger. „Deshalb haben wir eine Machbarkeitsanalyse zur Umsetzung alternativer Realisierungsvarianten erstellen lassen.“ Zur Rate gezogen wurde die „Partnerschaft Deutschland – Berater der öffentlichen Hand GmbH (PD)“ im Rahmen eines vom Bundesministerium der Finanzen geförderten Beratungsangebots.

PD empfiehlt ein so genanntes erweitertes Totalunternehmer-Modell (TU-Modell) als wirtschaftlichste Lösung: die Übertragung aller Sanierungsleistungen zur technischen Gebäudeausstattung, zu Brandschutzmaßnahmen, Fassadensanierung sowie weiteren erforderlichen Maßnahmen in einem Gesamtpaket an einen Auftragnehmer, einschließlich damit zusammenhängender langfristiger Instandhaltungsleistungen, mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Mit dem erweiterten TU-Modell würde die Stadt in die Lage versetzt, bei hoher Kosten- und Terminsicherheit ein ganzheitliches Sanierungskonzept umsetzen zu können, bei dem die Einzelmaßnahmen aufeinander abgestimmt und auf die Anforderungen des zukünftigen Veranstaltungsbetriebs abgestellt sowie die Verantwortungen zwischen den Partnern klar verteilt sind. Betreiber bleibt wie bisher die städtische Tochter Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH, die gemeinsam mit der Stadtverwaltung auch das Controlling übernimmt. „Bis zum Jahr 2016 wurden immer wieder lokal begrenzte Sanierungsmaßnahmen und Modernisierungen in der Stadthalle durchgeführt“, sagt Stephan Lemke, Geschäftsführer der Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH. „Durch das dauerhafte Engagement der Eigentümerin und des Teams der Betreiberin befindet sich das Gebäude augenscheinlich in einem gepflegten Zustand und wird von den Nutzern sehr gut angenommen. Man spürt auch nach 52 Jahren immer noch den großzügigen Geist der Entstehungszeit, die sehr gute Funktionalität und die gute Qualität in Gebäudestruktur, Gestaltung und Material.“

Lemke weiter: „Eine Vielzahl von Bauteilen und ein wesentlicher Anteil der technischen Gebäudeausrüstung stammen jedoch noch aus der Errichtungszeit des Hauses, so dass die Lebensdauer definitiv erreicht ist. Schon allein daraus entsteht aufgrund fortschreitender technischer Entwicklungen und heutiger Energiestandards ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf. Bei der Sanierungsplanung wurden auch Maßnahmen berücksichtigt, die die Nutzung des Gebäudes erhöhen und Betriebsabläufe verbessern, u. a. eine Optimierung des Raumangebots, im Wesentlichen für das Kongressgeschäft.“ 

Das ist geplant: Die Stadthalle soll unter weitest gehender Erhaltung der baulichen Substanz und der Raumstruktur saniert werden. Dies umfasst auch Anpassungen an novellierte Bestimmungen des Brandschutzes. Für ein zukunftsfähiges Tagungs- und Kongressgeschäft sind weitere Kapazitäten in diesem Segment erforderlich, insbesondere zusätzliche variable Räume, so genannte Break-Out-Räume. Bis zu sechs solcher technisch modern ausgestatteten Räume sollen im Rahmen der Sanierung realisiert werden.

Hierzu wird auch der Bereich des bestehenden Restaurants überplant. Im Blick auf das Kongressgeschäft wäre zukünftig optional auch ein weiterer, dritter Saal mit rund 1.300 Quadratmetern Fläche für rund 800 Personen wünschenswert, der den Großen Saal entlasten könnte. Die technischen Voraussetzungen für eine optionale Errichtung eines dritten Saales sind im Rahmen der Sanierung zu prüfen. Derzeit wird der zukünftige Bedarf am Standort Stadthalle oder einem anderen Standort im Stadtgebiet durch eine externe Analyse in Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung (Kulturbereich) sowie der Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH und der Braunschweig Stadtmarketing GmbH (für das Kongressgeschäft) weiter untersucht.

Die Sanierung steht im Zusammenhang mit einem Investorenmodell zum Neubau eines Kongresshotels im nördlichen Bereich des derzeitigen Betriebsgrundstückes der Stadthalle. Beide Maßnahmen sollen in zeitlicher Abhängigkeit von einander umgesetzt werden. Fasst der Rat am 19. Dezember den Grundsatzbeschluss, beginnt sofort im Anschluss die Vorbereitung des komplexen Vergabeverfahrens mit den Planungen bis zur Genehmigung des Bauvorhabens. Daran soll sich im Dezember 2018 das Vergabeverfahren anschließen, der Rat im Oktober 2019 über die Vergabe entscheiden. Nach der Planungsphase wäre die Stadthalle während der Bauzeit von April 2020 bis September 2021 geschlossen. Als Ersatzspielstätte kommt in erster Linie die Volkswagen Halle in Betracht. Die zeit- und baugeschichtliche Bedeutung der Braunschweiger Stadthalle   Die Stadthalle ist zeit- und baugeschichtlich ein für die Stadt Braunschweig wichtiges Bauwerk.

Ende der 1950er Jahre entschied der damalige Stadtrat, eine neue Stadthalle als „moderne Mehrzweckhalle für Kongresse, Tagungen, kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen“ zu errichten. Der Bau der Stadthalle dokumentiert damit Aufbruchstimmung in der noch vom Krieg gezeichneten Stadt. Aus dem ausgelobten Wettbewerb ging 1961 der Entwurf der Duisburger Architekten Peter Voigtländer und Heiko Stumpf hervor. Er sah in Korrespondenz zum nahegelegenen Hauptbahnhof einen städtebaulichen Solitär in einer „aufgelockerten Stadtlandschaft“ vor. Man wollte weg von der dichten, blockhaften Enge der „Vorkriegsstadt“. Diese städtebauliche Grundhaltung der frühen 1960er Jahre ist noch heute im Umfeld der Stadthalle gut nachvollziehbar.

Die Stadthalle ist architektonisch ein markanter, zeittypischer Bau der sechziger Jahre. Die das Gebäude nach außen prägende rautenförmige Schrägstellung setzt sich im Inneren konsequent fort und bestimmt fast alle Räume von den Sälen bis zu den einzelnen Kongressräumen. Bis ins Detail (Gestaltung der Türen, Wandverkleidung, Kunst am Bau etc.) ist die Stadthalle zeittypisch bewusst gestaltet. Ihre Denkmalschutzwürdigkeit wird derzeit vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) geprüft.

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